Ein Fest rund um die Sukkah

Nachbarn, Künstler, Horb-Besucher: Rund um die Laubhütte der jüdischen Künstlerin Margarita Rozenberg entwickelte sich beim ehemaligen Betsaal ein kleines Fest – ganz im Sinne von Sukkot.  

Hereinspaziert: Künstlerin Margarita Rozenberg öffnete den Sukkah-Zugang für junge und ältere Interessierte. Aus Stuttgart und Tübingen waren sie ebenso gekommen wie aus der unmittelbaren Nachbarschaft: Mehr als 60 Besucher/innen bestaunten die Sukkah, die Margarita Rozenberg am Vortag beim Museum Jüdischer Betsaal aufgebaut hatte. Und nicht nur das: Bei Kürbissuppe, Berches und Wein entwickelte sich ein stimmungsvolles Beisammensein – ganz im Sinne des Laubhüttenfestes (Sukkot, im Hebräischen der Plural von Sukkah), das „einen fröhlichen Akzent im neu begonnenen jüdischen Kalenderjahr“ setzen will.

Und ganz im Sinne der Künstlerin, die im russischen Syzran aufgewachsen ist, jetzt in Tel Aviv lebt und vorübergehend im Antonie-Leins-Künstlerhaus wohnte: Sie hatte  die jüdische Geschichte von Horb entdeckt, und daraus entstand die Idee, zum Laubhüttenfest (vom Abend des 4. bis zum Abend des 11. Oktober) eine Sukka an historischem Ort zu bauen – nicht zuletzt mit dem Wunsch, rund um diese Installation „Menschen zusammenzubringen“, wie Rozenberg im Vorfeld erklärte.

Das entspricht dem, was im Alten Testament mit dem Fest verbunden wird, das religiöse Juden jedes Jahr in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten feiern. Heinz Högerle vom Rexinger Synagogenverein verwies darauf, dass es in diesen Bibelstellen – genauer: 5. Mose, Kapitel 10, 17-19 – auch um das richtige Verhalten in heutiger Zeit gehe: „Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Ägypterland.“

Für Rozenberg spielte zugleich die Lokalgeschichte eine wichtige Rolle („Ich bin Jüdin, ich ‚komme zurück‘ nach Horb“). Gegenüber vom damaligen Betsaal wohnte von 1913 bis 1936 der Rabbiner Dr. Abraham Schweizer, und auch dort – so rief Barbara Staudacher von der Betsaal-Stiftung ins Gedächtnis – gab es seinerzeit jedes Jahr eine Laubhütte. Dass nun, gut 80 Jahre später, erneut eine Sukkah ihren Platz in Horb gefunden habe, sei ein gutes Zeichen.

Und schließlich ging es der 28-jährigen Künstlerin – unter Beachtung der religiösen Vorschriften, die beim Bau einer Sukkah gelten – um „persönliche Traditionen“, also Erinnerungen an Kindheit und Jugend, die in ihrem Fall aufs Engste mit Oma Asya verbunden sind. So ist die Installation mit „Grandmother‘s skirt“ (Großmutters Rock) betitelt. Und doch sei die Empfindung, an der Seite der Großmutter Geborgenheit zu fühlen, so Rozenberg, für viele Menschen gleich und führe sie insofern über die Grenzen von Religion und Herkunft hinweg zusammen.
Das gilt auch für junge Leute: Schon am Mittwochnachmittag erläuterte Rita Rozenberg ihr Projekt (aus dem Englischen übersetzt von Benedict von Bremen) einem Religionskurs des Horber Martin-Gerbert-Gymnasiums und einer Konfirmandengruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Dettingen. Und für die kommenden Tage sind bereits drei weitere Schulklassen angemeldet.