GRÜSSE aus MeXICO CITY

In Horb hatte ihn schon die erste Stippvisite so beeindruckt, dass er sein Aufenthalts-Ziel eigentlich auf drei Jahre erweitern wollte, später zog es ihn aus persönlichen Gründen doch wieder in die Baden-Metropole Karlsruhe zurück. Simon Pfeffel (28) war bislang derjenige unter den Künstlerhaus-Bewohnern, der den meisten Platz beanspruchte: für einen Bildhauer (siehe auch www.simonpfeffel.com) geradezu selbstverständlich.

Ein Aufenthalt in Mexiko-Stadt im Jahr 2011 hat ihn geprägt: „Anregungen zu meiner derzeitigen skulpturalen Arbeit habe ich in einer ökonomisch und wirtschaftlich prekären Region gefunden, in der die Menschen gezwungen sind, kreativ zu handeln, um ihren täglichen Lebensunterhalt zu finanzieren.“ Zum Eindrücklichsten gehörte für Simon Pfeffel „die Bauweise der Häuser in den ärmeren Vierteln und die Vielfalt und der Einfallsreichtum beim Aufbau der Marktstände, wo die Händler eigenwillige Wege finden, um ihre Waren anbieten und verkaufen zu können“. Davon inspiriert, hat er seine Marktstand-Objekte entwickelt. Sie bestehen aus einem modularen Stecksystem, das eine ständige Veränderung und Erweiterung ermöglicht. „So erobern sie sich Stück für Stück neuen Raum, expandieren je nach Notwendigkeit oder Möglichkeit.“

Nach dem Abschluss an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Silvia Bächli studierte er noch bei Christian Jankowski in Stuttgart und John Bock in Karlsruhe. Seit langem, sagt er, richte er seine Aufmerksamkeit auf den Bereich der Skulptur und das Zusammenspiel mit Betrachtern und Umgebung. Dabei wird das Biege-Performance in "Werder's Wohnzimmer" in Karlsruhe Publikum auch durch Performances in die künstlerische Arbeit mit einbezogen. Seine Themen sucht sich Pfeffel in modernen Anforderungen wie etwa Flexibilität, Mobilität und Zweckdienlichkeit. Zugleich fragt er nach deren Gegenteil.

Seine Performances entstehen ähnlich wie die skulpturalen Arbeiten aus alltäglichen Situationen, die ihn nachhaltig beschäftigen. Sportlichkeit spielt dabei die Rolle: „Eine einfache Handlung entfaltet sich durch ihre Dauer komplex. Eine banale Tätigkeit wie das Hüpfen auf einem Trampolin oder das In-die-Luft-Pusten eines Taschentuchs wird zu einer meditativen Erfahrung durch andauerndes Wiederholen“, Stunden, ja Tage lang. "Bei diesem egozentrischen Akt, der eine völlige Konzentration auf mich selbst erfordert“, schreibt Simon Pfeffel in seinem aktuellen Katalog, „lasse ich den Betrachter Voyeur spielen.“

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