Sprechende NAtur

"Hochzeit" mit Kakteen: Elisabeth Kaiser im Juli 2015

In Stuttgart war sie immer wieder an spektakulären Aufführungen beteiligt – etwa im Februar 2015 an den  "Musiktheatralischen Sinnes-Miniaturen" unter dem Titel "Fasnacht der Hölle" (unser Foto, Bildmitte). Und mit ihren Performances setzte die Künstlerhaus-Residentin im Horber Kakteengarten immer wieder die Besucher in Erstaunen – im Rahmen des Fördervereins-Jubiläums im Herbst 2014 ebenso wie bei ihrer Abschluss-Aufführung im August 2016. Fördervereins-Vorsitzender Michael Zerhusen wies darauf hin, dass die Künstlerin „von einem ‚genuinen Bewusstsein‘ ausgeht, das allem innewohnt: Menschen, Tieren, Pflanzen, ja, jedem Staubkorn“. Wer die Welt so sehe, für den sei es gleichsam logisch, „dass auch alles durch dieses ursprüngliche, umfassende Bewusstsein miteinander verbunden ist“. 

Elisabeth Kaiser im Künstlerhaus Ein „feminines Fortissimo“ glaubte schon der Schwarzwälder Bote im Horber Künstlerhaus entdeckt zu haben, sie sei ein „Temperamentbündel“, mit einer Stimme, die „intensiv, warm, sexy, ergreifend“ sei. Zugleich aber hat sie einen äußerst feinen Sinn für leise Töne – eine Art Sprache der Natur, die für die meisten Zeitgenossen kaum wahrnehmbar ist.

Anlässlich einer mitternächtlichen Gesangsprobe im winterlichen Echowald beim Schloss Liebefels im Schweizer Kanton Thurgau erklärte Elisabeth Kaiser im Frühjahr 2013, wie sie als Synästhetikerin beim Singen gleich¬zeitig Räume wahrnehmen kann. Darüber berichtete der Musiker und Klangkünstler Andres Bosshard in „Wolkenkuckucksheim“, einer Zeitschrift für Architektur-Theorie (Heft 31, 2013) unter anderem: Sie erzählt vorsichtig, denn sie weiß aus Erfahrung, dass sie besonderes Vertrauen voraussetzen können muss, damit die ‚anderen‘ sie nicht gleich für verrückt erklären. Wenn sie Blätter oder Stängel berühre, würde sie intensiv Klänge hören und auch körperlich-räumliche ‚Dinge‘ sehen. Ja, vor allem wenn ihre Haut direkt in Berührung von Oberflächen komme, würden diese Sinneserfahrungen ausgelöst. Auch Hitze und Kälte können Klänge und Körperraumgebilde auslösen. Es seien unterschiedlich große, eher abstrakte Raumfiguren, die sich frei zueinander bewegen und sich auch überlagern könnten.“

In Regensburg geboren, studierte Elisabeth Kaiser später zuerst an der Hochschule für Künste in Bremen und wechselte dann, nach ihrem Examen in Design, 2008 an die Folkwang Universität in Essen, wo sie ihr Studium (Gesang und Komposition, unter anderem bei Sigune von Osten und Jagna Sokorska-Kwika) zum Ende des Sommersemesters 2013 mit dem Diplom abschloss. Kaiser hatte Auftritte im griechischen Patras und im römischen Kloster Bramante und wurde von Andres Bosshard für dessen Wagner-Projekt „Klanginsel“ engagiert. Sie performte 2011 als Teilnehmerin des Festivals “America!Now” der Philharmonie Essen  “Aria” von John Cage und sang 2013 im Fournos Centre Athen (darunter ihr Stück für Stimme und Flamme "dasyatis say").

Kaiser online: www.elisabethannamariakaiser.com/

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